Die gerade (laterale, rechtswinklige, frontale, square hips...) Ausrichtung der Hüften ist nicht wegzudenken, wenn man richtige Körpestruktur im Sinne der I Liq Chuan Prinzipien im Sinn hat. Wenn man im I Liq Chuan System diagonal zum Gegner steht, kann man
1) keinen runden Verteidigungsring mit seinen Armen formieren. Entweder ist der Ring oval - daher schwach oder er ist rund aber nicht auf den Gegner ausgerichtet - daher unbrauchbar.
2) nicht genug mit den Leistenbeugen absorbieren
3) nicht stabil genug in die links-rechts Richtung (lateral) stehen.
Das Ziel dieses Beitrags ist es, meine Überlegungen und Erfahrungen beim Training dieser Position mit denjenigen, die es interessiert, zu teilen. Mich interessieren eure Meinungen und Erfahrungen zu diesem Thema.
Wir stehen und bewegen uns im I Liq Chuan im Unterschied zu manchen anderen Kampfstilen sehr frontal. Das heisst, Schultern, Oberkörper, Hüften sind 90 Grad auf die Pfeilrichtung positioniert. Manche Stile begründen ihre diagonale Positionierung damit, dass die Grösse der Angriffsfläche (Oberkörper) reduziert wird, bzw. dass man leichter ausweichen kann. In jedem Stil gibt es gute Gründe dafür wie man steht und wie man sich bewegt. Man muss die Körperausrichtung im Gesamtkonzept betrachten. Die meisten Stile versuchen ja nicht zu kleben, die Struktur zu kontrollieren, um dann aus der nächsten Distanz anzugreifen. Man schlägt ja meistens aus der Entfernung und dann zieht man sich wieder zurück.
So ist es generell auch bei I Liq Chuan. Nun aber wenn ich zum Gegner klebe, muss ich in der Lage sein, seine Gegenangriffe mit meiner Struktur zu absorbieren. Das geht aber nur dann, wenn die Hüftenbeugen sich beugen und strecken können. Auch dann, wenn auf meinen Körper von aussen ein grosser Druck kommt. Die gegnerische Energie muss der Körper auf alle sich beugenden Gelenke verteilen. So wird der Druck auf keine einzelne Körperpartie zu gross. Der Druck wird im eigenen Körper gespeichert und in die projizierende Energie für den Angriff umgewandelt. Die Leistenbeugen sind ein grosser oder vielleicht der stärkste Speicher, den wir haben. Wenn wir diagonal stehen, kann nur die vordere Leistenbeuge absorbieren. Die hintere ist von Haus aus gestreckt und kann nicht gut gebeugt werden.
Die meisten Menschen können gar nicht lateral stehen, wenn ihre Füsse diagonal zueinander stehen. Je länger der Schritt, desto mehr zieht und zerrt es an verschiedenen Ecken. Unsere Sehnen und Muskeln sind oft verkürzt und versteift. Oft ist es uns nicht bewusst, ob wir schon lateral oder noch diagonal stehen. Aus Bequemlichkeit stehen manche Übenden diagonal, weil ihre mangelnde Verbindung zwischen dem Oberarm und dem Oberkörper so leichter zu kompensieren ist. Denn, der Oberkörper stützt so die vordere Schulter von hinten alleine durch die Struktur. Auch kann man beim Angriff durch zusätzliche Drehung des Oberkörpers den Arm verlängern und weiter reichen. Dies kann natürlich ein Vorteil sein. Aber auch ein Nachteil, weil die Stabilität in die laterale Richtung beinträchtigt ist.
Ich trainiere square hips Schritt für Schritt auf diese Art und Weise:
Wenn ich mich schulterbreit und diagonal hinstelle, liegt der Becken zunächst diagonal. Meine Schultern befinden sich über den Hüften auch diagonal zur Pfeilrichtung. Diese Stellung hat die bekannten Nachteile, insbesondere die Instabilität. Der Gegner hätte leichte Arbeit meinen Oberkörper durch Druck auf Unterarme oder durch Ziehen aus dem Gleichgewicht zu bringen. Wie soll also der Becken lateral ausgerichtet werden, um gegnerische Energie in den Boden absorbieren zu können? Man muss sich dazu mit Probe und Versuch durcharbeiten.
Anfangs versucht man dies durch die Drehung der Schultern in die laterale Position. Der Becken wird durch die Verdrehung der Wirbelsäule ein wenig nachgezogen. Diese Position geht zwar optisch in die gewünschte Richtung, nicht aber funktional. Sie ist ausserdem sehr anstrengend und man wird bald steif.
Die andere Option ist, direkt den Becken und nicht die Schultern zu drehen. Das ist etwas besser als die erste Variante, aber immer noch nicht gut. Die notwendige Verbindung zum Boden fehlt immer noch und es wird auch bald anstrengend. Durch die Anstrengung wird man steif und ein Absorbieren ist hierbei auch nicht möglich.
Letzlich versucht man die Drehung durch die Füsse zu erzeugen. Wenn man dies zunächst nur mit dem hinteren Fuss versucht, wird das hintere Bein gestreckt, die Hüfte wird dadurch nach vorne vorgeschoben und man erzeugt die gewünschte laterale Position. Das Problem ist nur, dass das hintere Bein durchgestreckt ist, und man kann folglich nicht absorbieren.
Wenn man sich dagegen vom vorderen Fuss abstösst, das vordere Bein durchstreckt wird, die Hüfte dadurch nach hinten geschoben wird, erwünscht man auch somit die gewünschte laterale Stellung. Das Problem hierbei ist, dass das Körpergewicht auf dem hinteren Bein beruht. Man wird unbeweglich.



Die Gedanken zum Thema "Square the Hips" waren sehr hilfreich, danke.
Freue mich schon jetzt auf den 2. Teil über die Herstellung der Verbindung zwischen den Armen (dem Ring) und dem Rumpf.
Peter